Kolumne: Stolls FundInsights

Chancen mit Puffer: 
Wie der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund vom Comeback der Wandelanleihen profitiert

Nach zwei verlorenen Jahren melden sich Wandelanleihen eindrucksvoll zurück. Fallende Zinsen, stabile Aktienmärkte und historisch günstige Bewertungen schaffen ein seltenes Chancenfenster. Der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund positioniert sich genau dort – fokussiert, opportunistisch und bislang bemerkenswert treffsicher.

Die Renaissance einer verkannten Anlageklasse
Wandelanleihen galten lange als Opfer der Zeitenwende. In den Jahren 2022 und 2023 gerieten sie zwischen alle Fronten: steigende Zinsen drückten den Anleiheteil, einbrechende Aktienmärkte entwerteten die Wandlungsoption. Das Ergebnis war eine der schwächsten Phasen in der Geschichte der Anlageklasse – und gleichzeitig der Nährboden für die heutige Erholung.

Denn das Umfeld hat sich spürbar gedreht. Die Inflation ist gefallen, der Zinshöhepunkt überschritten. Die EZB hat den Zinssenkungszyklus bereits gestartet, die US-Notenbank folgte mit ersten Schritten. Parallel dazu zeigen sich die Aktienmärkte erstaunlich widerstandsfähig. Für Wandelanleihen ist das die Idealtemperatur: Der Bond profitiert von sinkenden Zinsen, die Option von steigenden Kursen.

Historisch entwickeln sich Convertibles besonders stark nach dem Ende von Zinserhöhungszyklen. Dass viele Papiere noch immer unter ihrem Emissionspreis notieren, verstärkt das Chance-Risiko-Profil zusätzlich – selbst dann, wenn die Aktienmärkte nur moderat zulegen.

Wandelanleihen: Aktienrendite mit Sicherheitsnetz
Wandelanleihen – häufig auch Convertibles genannt – sind hybride Instrumente. Sie verbinden eine klassische Unternehmensanleihe mit einem eingebetteten Optionsrecht auf die Aktie des Emittenten. Anleger erhalten einen festen Kupon, der zwar unter dem Zinssatz einer herkömmlichen Anleihe liegt, dafür aber durch die Wandlungsoption ergänzt wird.

Steigt der Aktienkurs deutlich, kann die Anleihe in eine zuvor festgelegte Anzahl von Aktien getauscht werden. Fällt der Kurs, bleibt der Investor Anleihegläubiger und verzichtet auf das Wandeln. Genau daraus entsteht die Asymmetrie: eine hohe Partizipation an steigenden Aktienmärkten bei zugleich begrenzten Verlusten in Korrekturphasen.

Wie stark dieser Puffer wirkt, zeigte sich etwa während der Covid-Krise 2020. Während globale Aktien innerhalb weniger Wochen rund ein Drittel an Wert verloren, fiel der Rückgang bei Wandelanleihen nur etwa halb so stark aus. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Aktien- und Rentenmärkte gleichzeitig unter Druck geraten – wie 2022. Doch gerade solche Phasen schaffen oft die besten Einstiegspunkte.

Langfristig ist die Bilanz überzeugend: Seit Ende der 1990er-Jahre erzielten Wandelanleihen eine durchschnittliche Jahresrendite von rund sieben Prozent – klar über klassischen Anleihen und bei deutlich geringerer Volatilität nur knapp unter globalen Aktienindizes. Eine Mischung, die in vielen Portfolios fehlt.

Warum der Weg über Fonds führt
Einzelne Wandelanleihen sind komplex. Kreditqualität, Aktienbewertung, Optionspreis und Laufzeit greifen ineinander. Hinzu kommen hohe Mindeststückelungen, die Privatanleger praktisch ausschließen. Wer die Vorteile dieser Anlageklasse nutzen will, kommt an Fonds kaum vorbei.

Doch auch hier ist nicht jeder Ansatz gleich. Während viele Produkte auf maximale Streuung setzen, geht der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund bewusst den entgegengesetzten Weg.

Der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund: Konzentration statt Beliebigkeit
Der Fonds wurde am 1. Dezember 2023 aufgelegt – und traf den Markt in einer Übergangsphase, in der Wandelanleihen strukturell unterbewertet waren. Das Konzept ist klar umrissen: ein konzentriertes „Best-Idea“-Portfolio mit 20 bis 40 Positionen (aktuell 34), weltweit gestreut. Rund 80 Prozent entfallen auf Wandelanleihen, ergänzt durch klassische Hochzins- und Nachranganleihen, wenn diese ein attraktives Ertragspotenzial bieten.

Der Fokus liegt auf Deep-Value-Situationen: Anleihen von Unternehmen, die an der Börse zuvor massiv abgestraft wurden, deren Geschäftsmodelle aber intakt sind und deren Kapitalstruktur eine Erholung zulässt. Es geht nicht um Momentum, sondern um Fehlbewertungen.

Gemanagt wird der Fonds von Helge Müller, CIO von Genève Invest. Die Investmentboutique wurde 2002 in Genf gegründet und 2012 mit der Genève Invest (Europe) S.A. in Luxemburg europäisch verankert. Der Fokus liegt seit jeher auf festverzinslichen Strategien – getragen von jahrzehntelanger Markterfahrung. Der Investmentprozess ist strikt fundamental ausgerichtet und wird durch regelmäßige Gespräche mit den Managementteams der Emittenten ergänzt. Sicherheit steht dabei an erster Stelle – nicht als Marketingfloskel, sondern als konsequent umgesetztes Anlageprinzip.

Performance, die den Ansatz bestätigt
Der Fonds ist jung, rund 30 Millionen Euro schwer, die Aussagekraft entsprechend begrenzt – doch der Start ist bemerkenswert. Seit Auflage liegt der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund rund 40 Prozent im Plus, auf Jahressicht rund 21 Prozent (Stand: 22.01.2026). Die Volatilität bewegt sich im hohen einstelligen Bereich, die Sharpe Ratio liegt bei rund 2 – ein außergewöhnlich hoher Wert für einen Anleihefonds. Der bislang erreichte maximale Drawdown beträgt rund 7 Prozent. 

Das langfristige Renditeziel von 10 bis 15 Prozent pro Jahr über fünf Jahre ist ambitioniert und nicht garantiert. Angesichts der strukturellen Ausgangslage der Anlageklasse und der bisherigen Umsetzung wirkt es jedoch zumindest plausibel.

Stabilität durch Struktur
Auch auf Portfolioebene ist der Fonds ausgewogen aufgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf USD- und EUR-Anleihen, ergänzt durch Positionen in Schweizer Franken, britischem Pfund und ausgewählten skandinavischen Währungen. Aktuell machen Wandelanleihen knapp 79 Prozent des Portfolios aus, Anleihen ohne Wandlungsrecht rund 18 Prozent.

Inhaltlich dominieren kleinere und mittelgroße Unternehmen mit strukturellem Wachstum – häufig aus Technologie, Industrie oder Finanzdienstleistungen. Titel wie Uber, SK Hynix, Schneider Electric, MTU Aero Engines oder Alibaba stehen exemplarisch für den Mix aus Wachstumsfantasie und bilanzieller Substanz.

Fazit: Ein selten klares Chancenprofil
Wandelanleihen profitieren derzeit von einer Konstellation, die so nur selten auftritt: fallende Zinsen, stabile Aktienmärkte und noch immer günstige Bewertungen. Der Tell’s Arrow Opportunities Bond Fund nutzt dieses Umfeld nicht breit, sondern gezielt – mit Konzentration, Überzeugung und einem klaren Blick für Risiken. Für Anleger, die Aktienchancen suchen, ohne die volle Volatilität tragen zu wollen, und die klassischen Anleihen für renditeschwach halten, könnte dieser Fonds genau zur richtigen Zeit kommen.

Sven, Jahrgang 1969 aus Suhl in Thüringen, beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren intensiv mit Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Als erfahrener Investor setzt er seit vielen Jahren auf aktiv gemanagte Fonds und pflegt enge Kontakte in der Branche. Der regelmäßige Austausch mit renommierten Portfoliomanagern liefert ihm wertvolle Einblicke. Beruflich ist Sven als Fondsanalyst bei der GSR GmbH tätig.

Zur Webseite

Berkshire Hathaway
Future Fundstars