
Selektor im Gespräch
Geopolitische Entwicklungen gewinnen an Durchschlagskraft: Bankhaus Bauer fährt vorsichtige Allokation
In einem von geopolitischen Spannungen und hartnäckiger Inflation geprägten Umfeld, rückt aus Sicht des Bankhaus Bauer die strukturelle Aufstellung des eigenen Investmentprozesses stärker in den Fokus. Entscheidend sei dabei vor allem die Unabhängigkeit der Anlageentscheidungen, wie Thomas Metzger, Bereichsleiter Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer, betont. „Vorteilhaft ist für uns die hohe Unabhängigkeit unseres Investmentprozesses. Wir sind nicht an andere Geschäftsfelder wie Investment Banking, Research oder produktgetriebene Vertriebslogiken gebunden und können unsere Allokation konsequent aus unserer Markteinschätzung heraus steuern“, so Metzger im Gespräch mit Fundview. Diese Struktur ermögliche kurze Entscheidungswege und eine hohe Flexibilität im Portfoliomanagement. „Dadurch sind wir in der Lage, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren und auch unkonventionelle oder antizyklische Entscheidungen umzusetzen, wenn wir sie für richtig halten.“
Geopolitische Risiken hätten sich insgesamt als dauerhaft relevanter Faktor für die Märkte etabliert. Seit der Corona-Pandemie und Donald Trumps erster Wahl zum US-Präsidenten lasse sich Metzger zufolge eine recht hohe Frequenz politischer Ereignisse und Entscheidungen beobachten, die entscheidend für die Richtung der Börsen gewesen seien: „Dies gilt für die Handelskonflikte, die Pandemiepolitik bis hin zum Kriegsgeschehen in der Ukraine und im Nahen Osten. Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ist die Durchschlagskraft geopolitischer Entwicklungen auf die Märkte zum Teil gestiegen.“
Für Europa und insbesondere Deutschland erwarten wir mittlerweile eine Preissteigerung für das laufende Jahr von rund 2,7 Prozent bei einem Wachstum des BIP von unter einem Prozent. Von einer Rezession gehen wir aber nicht aus. Damit sind wir insgesamt etwas optimistischer als viele andere Marktteilnehmer.
Weder sehen wir die Basis für eine deutliche Euro-Aufwertung noch für eine ausgeprägte Dollar-Stärke. Diese Sichtweise hatten wir bereits zu Beginn des Jahres. Staatsanleihen dürften auf Grund der hohen Verschuldung vieler Länder sowie der anziehenden Inflation unter Druck bleiben.
Donald Trump wird auch von Kevin Warsh angesichts einer deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent liegenden Inflation den Wunsch nach extrem niedrigen Zinsen nicht erfüllt bekommen. Wir erwarten jedoch keinen grundlegenden Bruch in der geldpolitischen Unabhängigkeit der Fed.


