Selektor im Gespräch

Geopolitische Entwicklungen gewinnen an Durchschlagskraft: Bankhaus Bauer fährt vorsichtige Allokation 

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Geopolitische Spannungen und eine anhaltend erhöhte Inflation prägen aus Sicht des Bankhaus Bauer zunehmend das Marktumfeld. Thomas Metzger, Bereichsleiter Vermögensverwaltung, betont im Gespräch mit der Redaktion von Fundview die wachsende Bedeutung eines unabhängigen und flexiblen Investmentprozesses, der schnelle Reaktionen auf sich überlagernde Krisen ermöglicht. Trotz gestiegener Unsicherheit bleibt das Haus für die kommenden Monate konstruktiv, warnt jedoch vor begrenztem Kurspotenzial und temporären Rückschlägen an den Aktienmärkten.

Thomas Metzger, Bereichsleiter Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer

In einem von geopolitischen Spannungen und hartnäckiger Inflation geprägten Umfeld, rückt aus Sicht des Bankhaus Bauer die strukturelle Aufstellung des eigenen Investmentprozesses stärker in den Fokus. Entscheidend sei dabei vor allem die Unabhängigkeit der Anlageentscheidungen, wie Thomas Metzger, Bereichsleiter Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer, betont. „Vorteilhaft ist für uns die hohe Unabhängigkeit unseres Investmentprozesses. Wir sind nicht an andere Geschäftsfelder wie Investment Banking, Research oder produktgetriebene Vertriebslogiken gebunden und können unsere Allokation konsequent aus unserer Markteinschätzung heraus steuern“, so Metzger im Gespräch mit Fundview. Diese Struktur ermögliche kurze Entscheidungswege und eine hohe Flexibilität im Portfoliomanagement. „Dadurch sind wir in der Lage, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren und auch unkonventionelle oder antizyklische Entscheidungen umzusetzen, wenn wir sie für richtig halten.“

Geopolitische Risiken hätten sich insgesamt als dauerhaft relevanter Faktor für die Märkte etabliert. Seit der Corona-Pandemie und Donald Trumps erster Wahl zum US-Präsidenten lasse sich Metzger zufolge eine recht hohe Frequenz politischer Ereignisse und Entscheidungen beobachten, die entscheidend für die Richtung der Börsen gewesen seien: „Dies gilt für die Handelskonflikte, die Pandemiepolitik bis hin zum Kriegsgeschehen in der Ukraine und im Nahen Osten. Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ist die Durchschlagskraft geopolitischer Entwicklungen auf die Märkte zum Teil gestiegen.“

Für Europa und insbesondere Deutschland erwarten wir mittlerweile eine Preissteigerung für das laufende Jahr von rund 2,7 Prozent bei einem Wachstum des BIP von unter einem Prozent. Von einer Rezession gehen wir aber nicht aus. Damit sind wir insgesamt etwas optimistischer als viele andere Marktteilnehmer.

Investoren hatten in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Themen wie etwa die Corona-Pandemie oder der durch die USA losgetretene Zollkonflikt, die für die Märkte eine entscheidende Rolle gespielt haben. „Viele davon sind aber auch schnell wieder aus dem Fokus der Investoren verschwunden, obwohl ihre Folgen durchaus relevant bleiben. In kurzer Abfolge haben sich darüber hinaus geopolitische Spannungen aufgebaut, darunter der Krieg in der Ukraine, sowie weitere regionale Konflikte, die Beachtung an den Märkten fanden und finden. Dabei überlagern sich die Ereignisse zunehmend beziehungsweise verdrängen sich gegenseitig aus dem kurzfristigen Blickfeld der Börsen“, so Metzger. Aktuell stehen insbesondere der Iran-Konflikt und die damit verbundenen Energiepreisentwicklungen im Vordergrund. Daneben spiele aber auch strukturelle Faktoren eine zentrale Rolle, etwa die in Gefahr geratene politische Unabhängigkeit der Notenbanken, insbesondere der Fed.

Das globale Wachstum werde momentan insbesondere durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran und den damit einhergehenden hohen Ölpreisen gedämpft. Gleichzeitig würden die gestiegenen Notierungen für Energie als Treiber der Inflation wirken. „Entsprechend haben wir unsere Prognosen kürzlich angepasst. Für Europa und insbesondere Deutschland erwarten wir mittlerweile eine Preissteigerung für das laufende Jahr von rund 2,7 Prozent bei einem Wachstum des BIP von unter einem Prozent. Von einer Rezession gehen wir aber nicht aus. Damit sind wir insgesamt etwas optimistischer als viele andere Marktteilnehmer“, erklärt Metzger und führt aus, dass im Vergleich zu den Jahresanfangsschätzung, welche damals noch bei etwa 1,2 Prozent Wachstum lag, die neuen Werte aber dennoch eine deutliche Revision nach unten bedeuten.

In den USA zeigt sich Metzger zufolge ein robusteres Bild: „Dort hatten wir bereits zu Jahresbeginn mit einer Inflation für das Gesamtjahr von etwa drei Prozent gerechnet und haben diese Erwartung nur leicht nach oben angepasst. Auch unsere Wachstumsprognose von 1,7 Prozent haben wir nicht verändert. Unterstützend wirkt jenseits des Atlantiks vor allem die starke Technologie- und KI-Dynamik. Des Weiteren werden wir in Europa durch die derzeit hohen Energiepreise stärker getroffen als die USA, welche selbst in hohem Maße Öl fördern.

Weder sehen wir die Basis für eine deutliche Euro-Aufwertung noch für eine ausgeprägte Dollar-Stärke. Diese Sichtweise hatten wir bereits zu Beginn des Jahres. Staatsanleihen dürften auf Grund der hohen Verschuldung vieler Länder sowie der anziehenden Inflation unter Druck bleiben.


Kein langfristiger Bärenmarkt
Vor dem Hintergrund des derzeit durchaus risikobehafteten, dynamischen Umfeldes sei die Bank in der Gesamtallokation eher vorsichtig positioniert. „Aktien gewichten wir daher etwa neutral und gehen keine starken taktischen Über- oder Untergewichtungen ein. Vielmehr haben wir zuletzt zum Teil Gewinne realisiert und Risiken reduziert“, betont er.

Metzger gehe vor dem Hintergrund des nicht mehr billigen Bewertungsniveaus vieler Titel von einem prozentual eher einstelligen Kurspotenzials für Aktien für die nächsten zwölf Monate aus. Er führt aus: „Grundsätzlich erwarten wir weltweit allerdings ein sehr stabiles Wachstum der Unternehmensgewinne. Dies dürfte die Märkte trotz höheren Multiples weiter seitwärts bis leicht positiv laufen lassen. Gleichzeitig halten wir das Marktumfeld allerdings anfällig für temporäre Rückschläge, insbesondere wenn die aktuellen geopolitische Risiken eskalieren und die Wachstumserwartungen weiter sinken lassen.“ Dies könnte dann aber Gelegenheiten zum Einstieg bieten. Von einem längerfristigen Bärenmarkt gehe er nicht aus.

Der Finanzsektor und der Bereich Informationstechnologie gehören zu den größten Positionen hinsichtlich der Branchengewichtung im Aktienteil der Allokation. Regional konzentriere sich das Portfolio klar auf Europa und die USA. „In Europa gefällt uns unter anderem das nicht ganz so hohe Bewertungsniveau, während in den USA das Gewinnwachstum im Technologiesektor interessant bleibt. Viele Tech-Titel sind nicht mehr billig. Wir sehen dort aber weiterhin Chancen. Insbesondere auch weniger zyklische Bereiche wie Versorger spielen auch eine Rolle im Portfolio“, erklärt der Bereichsleiter.

Was die Währungsmärkte betreffe, erwarte Metzger eine Seitwärtsbewegung bei EUR/USD zwischen 1,15 und 1,20. „Weder sehen wir die Basis für eine deutliche Euro-Aufwertung noch für eine ausgeprägte Dollar-Stärke. Diese Sichtweise hatten wir bereits zu Beginn des Jahres. Staatsanleihen dürften auf Grund der hohen Verschuldung vieler Länder sowie der anziehenden Inflation unter Druck bleiben. Für die Rendite zehnjähriger US-Bonds scheint uns ein Niveau um 4,5 Prozent am Jahresende realistisch. Deutsche Bundesanleihen sehen wir bei etwa 3,3 Prozent. Auch dies entspricht unserer Prognose vom Januar“, so Metzger

Donald Trump wird auch von Kevin Warsh angesichts einer deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent liegenden Inflation den Wunsch nach extrem niedrigen Zinsen nicht erfüllt bekommen. Wir erwarten jedoch keinen grundlegenden Bruch in der geldpolitischen Unabhängigkeit der Fed.


Kein Bruch in der geldpolitischen Unabhängigkeit der Fed
Hinsichtlich der EZB erwarte Metzger eher weniger Zinserhöhungen als aktuell eingepreist seien: „Wir halten einen Zinsschritt nach oben für wahrscheinlich, da die Inflationsentwicklung zwar weiterhin erhöht bleiben dürfte und die Notenbank sich nicht dem Vorwurf aussetzen möchte, zu spät reagiert zu haben. Gleichzeitig dürfte das schwächere Wachstum in Europa die Handlungsfähigkeit begrenzen. Steigende Zinsen bremsen tendenziell die konjunkturelle Dynamik.“ Insofern bleibe der Spielraum der europäischen Währungshüter eingeschränkt. Zumal höhere Zinsen zunächst einmal auch nichts an den gestiegenen Kosten für Energie, welche zum Großteil für die anziehende Inflation verantwortlich seien, ändern würden.

In den USA spreche die Kombination aus nach wie vor recht stabiler Konjunktur und erhöhter Inflation, gegen einen ausgeprägten Zinssenkungszyklus, wie er noch vor wenigen Monaten erwartet wurde. „Wir sind allerdings schon zu Beginn des Jahres von maximal einer Zinssenkung der Fed ausgegangen. Sollten die Energiepreise jedoch noch länger auf den aktuellen Niveaus bleiben, dürfte die Fed abwartend reagieren und die Zinsen erst einmal nicht anrühren“, analysiert Metzger.

Die Diskussion um die US-Notenbank unter Kevin Warsh als neuem Chef sehe Metzger gelassener als viele Marktteilnehmer, jedoch seien politische Spannungen nicht auszuschließen. „Donald Trump wird auch von Kevin Warsh angesichts einer deutlich über dem Fed-Ziel von zwei Prozent liegenden Inflation den Wunsch nach extrem niedrigen Zinsen nicht erfüllt bekommen. Wir erwarten jedoch keinen grundlegenden Bruch in der geldpolitischen Unabhängigkeit der Fed. Im Fokus von Warsh dürften eher Themen wie Bilanzverkürzung, interne und externe Kommunikationsstruktur der Währungshüter sowie Konzentration der Fed auf ihre Kernaufgaben stehen“, erklärt Metzger und führt aus, dass er die Kritik an der stark ausgeweiteten Notenbankbilanz seit der Finanzkrise teilweise für berechtigt halte. „Gleichzeitig muss man die damaligen Entscheidungen im Kontext außergewöhnlicher Krisen betrachten, in denen alternative Maßnahmen deutlich stärkere wirtschaftliche Kosten verursacht hätten“, so Metzger abschließend.

Institut für Vermögensaufbau
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