Neues Altersvorsorgedepot: Gamechanger für Fondsvermittler & Chance für die private Vorsorge
André Rabenstein, Geschäftsführer Rentablo GmbH
André Rabenstein, Gründer und Geschäftsführer der Rentablo GmbH. Mehr Informationen gibt es hier.
Die Würfel sind gefallen: Der Bundesrat hat am 13. Mai 2026 die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge abschließend bestätigt. Damit endet nach über zwei Jahrzehnten die Ära der klassischen Riester-Rente und macht Platz für das Altersvorsorgedepot (AVD). Ab dem 1. Januar 2027 startet ein System, das die Logik der privaten Vorsorge in Deutschland fundamental verändert.
Als langjähriger Beobachter des Fondsmarktes sehe ich darin nicht nur eine Korrektur alter Fehler, sondern eine historische Chance für Endkunden und professionelle Vermittler gleichermaßen.
Was kommt? Die Eckpunkte der Reform Das neue Altersvorsorgedepot bricht mit dem Dogma der Beitragsgarantie. Während Riester-Produkte oft durch hohe Garantiekosten und renditeschwache Anlagen gelähmt waren, sind Garantien im neuen AVD optional. Das Kapital kann zu 100 % in renditestarke Assetklassen wie Aktien-ETFs fließen.
Die staatliche Förderung im Überblick:
Grundzulage: Für jeden eingezahlten Euro bis 360 € gewährt der Staat künftig 50 Cent Zulage. Für weitere Einzahlungen bis zu einem Gesamteigenbeitrag von 1.800 € gibt es 25 Cent pro Euro.
Maximale Förderung: Der maximale förderfähige Eigenbeitrag liegt bei 1.800 € pro Jahr.
Kinderzulage: Diese wird nun deutlich leichter zugänglich. Die volle Zulage von 300 € pro Jahr wird bereits ab einem monatlichen Eigenbeitrag von 25 € gewährt.
Förderkreis: Erstmals sind auch Selbstständige unmittelbar förderberechtigt.
Was bedeutet das für den Markt? Wir stehen vor einer massiven Umschichtungswelle. Rund 15 Millionen bestehende Riester-Verträge können künftig förderunschädlich in die neuen Altersvorsorgedepots übertragen werden. Kunden haben hierbei drei Optionen: den alten Vertrag weiterführen, ihn stilllegen oder das Guthaben in ein neues AVD übertragen.
Besonders spannend: Der Gesetzgeber schreibt ein Standardprodukt vor, dessen Gesamtkosten auf 1,0 % p.a. gedeckelt sind. Zudem wird es eine staatliche "Non-Profit"-Lösung geben, die als direkte Benchmark für private Anbieter fungiert.
Chancen für Fondsvermittler: Beratung schlägt Standard Viele Branchenvertreter fürchten den Preiskampf durch den Kostendeckel und das staatliche Produkt. Doch für qualifizierte Fondsvermittler überwiegen die Chancen:
Enormes Marktpotenzial: Der erweiterte Förderkreis und die Wechselmöglichkeit für Riester-Bestandskunden sorgen für eine riesige Nachfrage.
Qualität setzt sich durch: Während das Standardprodukt eine Basislösung bietet, können Vermittler durch individuelle Anlagestrategien, Rebalancing und professionelles Risikomanagement Mehrwerte schaffen, für die Kunden bereit sind, über den Kostendeckel des Basis-AVD hinaus zu zahlen.
Digitalisierung als Hebel: Die Reform schreibt digitales Onboarding vor. Vermittler, die auf moderne Infrastruktur-Partner setzen, können hocheffizient skalieren.
Fazit für Endkunden Für den Sparer wird Vorsorge endlich wieder einfach und transparent. Die Kombination aus hoher staatlicher Zulage (bis zu 50 % auf die ersten 360 €) und der Flexibilität der Fondsanlage macht das AVD zum attraktivsten Vorsorgeinstrument der letzten Jahrzehnte.
Wir als Experten sind nun gefragt, die Kunden durch diesen Transformationsprozess zu begleiten. Der "Time-to-Market" ist entscheidend: Wer zum 1. Januar 2027 mit einer sauberen Lösung präsent ist, wird Kunden für Jahrzehnte gewinnen.