Kolumne: Stolls FundInsights

Value statt Visionen - Wie Pzena auf ungeliebte Schwellenländer-Aktien setzt

Unterbewertet / antizyklisch / hochaktiv / unbequem – der Pzena Emerging Markets Focused Value Fund setzt auf ungeliebte Qualitätsunternehmen in den Schwellenländern. Das ist oft volatil, manchmal frustrierend und gerade deshalb interessant. Denn selten waren die Bewertungsabschläge gegenüber den Industrieländern größer als heute.

Die meisten Anleger lieben Schwellenländer genau so lange, wie die Kurse steigen. Danach dominieren schnell dieselben Schlagworte: politische Risiken, Währungsturbulenzen, China-Sorgen, Korruption, Handelskonflikte. Emerging Markets gelten seit Jahren als ewige Problemzone der globalen Kapitalmärkte – volatil, schwer berechenbar und anfällig für Krisen. Genau dort sucht der Pzena Emerging Markets Focused Value Fund seine Chancen.

Der Fonds verfolgt einen Ansatz, der in Zeiten von KI-Euphorie, Momentum-Rallys und Mega-Cap-Hype fast aus der Zeit gefallen wirkt: Er kauft bewusst Aktien, die der Markt nicht mehr haben will. Nicht die Gewinner von heute stehen im Fokus, sondern Unternehmen, deren Gewinne eingebrochen sind, deren Bewertungen abgestürzt sind und bei denen Investoren bereits kapituliert haben. Das klingt riskant. Und genau das ist es auch. Doch historisch betrachtet entstehen außergewöhnliche Renditen oft genau dort, wo die Mehrheit der Anleger nicht mehr hinschauen will.

Warum Schwellenländer plötzlich wieder interessant werden
Lange galten die Emerging Markets als Enttäuschung. Während amerikanische Tech-Giganten von einem Rekord zum nächsten eilten, hinkten viele Schwellenländerbörsen hinterher. Kapital floss in die USA, während Regionen wie China, Brasilien oder Südkorea massiv unterbewertet blieben. Bemerkenswert ist, dass selbst nach der starken Erholung vieler Schwellenländer im Jahr 2025 die Bewertungen weiterhin historisch günstig sind. Genau dieses Umfeld lieben die Protagonisten von Pzena.

Denn der Fonds sucht gezielt nach Märkten und Unternehmen, bei denen die Angst bereits eingepreist ist. Während viele westliche Wachstumsaktien nur noch minimale Gewinnrenditen bieten, finden sich in Teilen der Emerging Markets Unternehmen mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen, hohen Cashflows und soliden Bilanzen. Das ist das Paradox der aktuellen Börsenlage: Die Kurse sind gestiegen – die Unterbewertung ist vielerorts geblieben. Für klassische Value-Investoren ist das beinahe ein Idealzustand.

Management & Fondsanbieter
Pzena Investment Management gehört zu den wenigen Häusern, die ihren Value-Ansatz über Jahrzehnte nahezu unverändert durchgezogen haben. Das Unternehmen verwaltet rund 80 Milliarden US-Dollar und verfolgt einen strikt fundamentalen Bottom-up-Ansatz. Der Investmentprozess ist teamorientiert organisiert. Statt eines einzelnen Star-Managers setzt Pzena auf kollektive Entscheidungsfindung. Das reduzierte Schlüsselpersonenrisiken und sorgt für eine hohe Kontinuität im Investmentstil.

Für den Fonds verantwortlich sind unter anderem Rakesh Bordia, Caroline Cai, Allison Fisch und Akhil Subramanian – allesamt erfahrene Value-Investoren mit langjähriger Zugehörigkeit zum Haus. Gerade diese personelle Stabilität ist bei einem zyklischen Stil wie Deep Value ein wichtiger Vorteil. Denn erfolgreiche Value-Strategien leben davon, auch in schwierigen Phasen diszipliniert zu bleiben.

Der unbequeme Kern der Strategie
Der Fonds ist kein typischer Emerging-Markets-Fonds, der einfach den Index leicht modifiziert nachbildet. Mit rund 60 Aktien und einem Active Share von über 80 Prozent ist das Portfolio eine hochaktive Wette auf Bewertungsanomalien.

Das Prinzip dahinter ist einfach – die Umsetzung dagegen extrem schwierig. Pzena versucht zu unterscheiden zwischen Unternehmen mit temporären Problemen und Unternehmen mit dauerhaft beschädigten Geschäftsmodellen. Genau darin liegt die Kunst des Deep-Value-Investing. Denn billig ist an der Börse vieles. Wirklich attraktiv sind aber nur jene Aktien, deren operative Probleme lösbar erscheinen.

Der Fonds kauft deshalb gezielt Unternehmen, deren Gewinne aktuell deutlich unter ihrem historischen Normalniveau liegen. Die Hoffnung: Der Markt unterschätzt die Erholungskraft dieser Firmen.

Dabei agiert das Management konsequent antizyklisch. Wenn politische Krisen, Konjunktursorgen oder geopolitische Schlagzeilen ganze Branchen abstrafen, beginnt für Pzena oft erst die eigentliche Analysearbeit. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich teilweise wie das Gegenmodell zu modernen Growth-Strategien liest.

Banken statt Börsenstars
Während viele globale Fonds von denselben großen Technologiewerten dominiert werden, setzt Pzena auf Banken, Rohstoffunternehmen, zyklische Konsumwerte und klassische Industriekonzerne. Regional liegen die Schwerpunkte vor allem in China, Brasilien, Südkorea, Taiwan und Hongkong. Auf Sektorebene dominieren Finanzen, zyklischer Konsum und Technologie.

Gerade die hohe Gewichtung von Finanzwerten zeigt den typischen Value-Charakter des Fonds. Banken gehören häufig zu jenen Branchen, die Investoren in Stressphasen besonders stark abstrafen – genau deshalb entstehen dort oft Bewertungsanomalien.

Die Kennzahlen des Portfolios unterstreichen diesen Ansatz eindrucksvoll:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 9,5
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis: etwa 1,3
  • Dividendenrendite: über 4 Prozent

Damit notiert der Fonds deutlich günstiger als viele klassische Emerging-Markets-Indizes.

Auch die laufende Rotation innerhalb des Portfolios ist interessant. Positionen werden nicht aus Prinzip gehalten. Sobald sich Bewertungen normalisieren, verkauft Pzena konsequent und schichtet in neue Fehlbewertungen um. Teuer gewordenes wird reduziert. Ungeliebtes wird gekauft. Genau darin unterscheidet sich der Fonds fundamental von passiven ETFs. Reduziert wurd nach der Euphorie um HBM-Speicherchips für KI-Anwendungen zum Beispiel die Aktie von Samsung Electronics. Zu den aktuellen Top-Holdings zählen hingegen Credicorp Ltd., die größte peruanische Finanzgruppe und ein führender Anbieter im Andenraum mit Aktivitäten in Peru, Kolumbien, Chile und Bolivien, sowie die China Merchants Bank und Ambev, Lateinamerikas größter Getränkehersteller. 

Warum der Fonds psychologisch so anspruchsvoll ist
Die größte Herausforderung dieses Fonds liegt nicht in der Analyse. Sondern in der Psyche der Anleger. Deep-Value-Strategien funktionieren selten linear. Sie können über Jahre hinter Momentum- und Growth-Strategien zurückbleiben, bevor sich die Bewertungsaufholung plötzlich entfaltet. Der Pzena-Fonds liefert dafür ein Lehrbuchbeispiel.

Langfristig war die Wertentwicklung stark: Über zehn Jahre erzielte der Fonds eine annualisierte Rendite von rund zwölf Prozent und lag damit klar über vielen Vergleichsprodukten. Auch in den vergangenen Jahren gelang eine deutliche Outperformance gegenüber zahlreichen aktiven Emerging-Markets-Fonds. Doch der Weg dorthin war alles andere als angenehm.

Der maximale Drawdown lag zeitweise bei fast 40 Prozent. Solche Schwankungen zeigen unmissverständlich: Dieser Fonds ist keine ruhige Vermögensverwaltung, sondern ein hochzyklischer Aktienfonds mit erheblicher Volatilität. Wer hier investiert, braucht drei Dinge: Geduld. Disziplin. Und starke Nerven.

Die eigentliche Gefahr: Value Traps
Das größte Risiko jeder Value-Strategie sind sogenannte Value Traps – also Unternehmen, die nicht nur günstig aussehen, sondern tatsächlich dauerhaft strukturelle Probleme haben. Nicht jede billige Aktie ist automatisch ein Schnäppchen. Manche Unternehmen sind niedrig bewertet, weil ihr Geschäftsmodell fundamental beschädigt ist.

Genau hier entscheidet sich, ob aktives Management wirklich Mehrwert liefern kann. Pzena versucht deshalb, klassische Fehlbewertungen von strukturellem Niedergang zu unterscheiden. Der Investmentprozess ist tief fundamental geprägt und stark teamorientiert organisiert. Das Investmenthaus verwaltet rund 80 Milliarden US-Dollar und verfolgt seinen klassischen Value-Ansatz bereits seit den 1990er-Jahren nahezu unverändert. Statt kurzfristigen Trends hinterherzulaufen, setzt das Team konsequent auf Fundamentaldaten, Bilanzqualität und langfristige Gewinnnormalisierung.

Das wirkt fast altmodisch – könnte aber gerade deshalb wieder attraktiver werden.

Kein ESG-Fonds – und bewusst keiner
Anleger sollten außerdem wissen: Der Fonds verfolgt keinen expliziten Nachhaltigkeits- oder ESG-Ansatz. Im Mittelpunkt stehen Bewertung und Erholungspotenzial – nicht Nachhaltigkeitsratings. Deshalb können auch Branchen oder Unternehmen im Portfolio landen, die in streng nachhaltigen Strategien ausgeschlossen würden. Für manche Investoren ist das ein Nachteil. Für klassische Value-Anleger dagegen eher konsequent.

Für wen eignet sich der Fonds?
Der Pzena Emerging Markets Focused Value Fund eignet sich nicht für Anleger, die kurzfristige Stabilität oder permanente Outperformance erwarten. Der Fonds ist vielmehr ein Investment für Investoren, die bereit sind, gegen den Markt zu denken – und zwischenzeitliche Schwächephasen auszuhalten. Wer Emerging Markets lediglich als kleine Depotbeimischung betrachtet oder sich von kurzfristigen Rückschlägen schnell verunsichern lässt, dürfte mit diesem Ansatz Schwierigkeiten haben. Wer dagegen überzeugt ist, dass fundamentale Fehlbewertungen langfristig korrigiert werden, findet hier einen der konsequentesten Deep-Value-Ansätze im gesamten Schwellenländeruniversum.

Fazit: Gegen den Zeitgeist investiert
Der Pzena Emerging Markets Focused Value Fund ist ein Fonds gegen den Mainstream. Er setzt nicht auf die beliebtesten Aktien der Welt, sondern auf jene Unternehmen, die Anleger gerade meiden. Genau darin liegt seine größte Stärke – und seine größte Belastungsprobe. Denn antizyklisches Investieren fühlt sich selten gut an. Meist wirkt es zunächst falsch. Aber genau deshalb kann es langfristig funktionieren.

Der Fonds kombiniert hohe aktive Überzeugung, diszipliniertes Deep-Value-Investing und attraktive Bewertungen mit den typischen Risiken der Schwellenländer: politische Unsicherheit, Währungsschwankungen und hohe Volatilität. Für Komfortinvestoren ist das nichts. Für geduldige Anleger mit langfristigem Horizont dagegen könnte genau dieser unbequeme Ansatz einer der spannendsten Wege sein, auf eine mögliche Renaissance von Value in den Emerging Markets zu setzen.

Sven, Jahrgang 1969 aus Suhl in Thüringen, beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren intensiv mit Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Als erfahrener Investor setzt er seit vielen Jahren auf aktiv gemanagte Fonds und pflegt enge Kontakte in der Branche. Der regelmäßige Austausch mit renommierten Portfoliomanagern liefert ihm wertvolle Einblicke. Beruflich ist Sven als Fondsanalyst bei der GSR GmbH tätig.

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