Währungen im Fokus

Währungspaar Euro zum US-Dollar weiterhin in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung – Diese kann auch noch etwas andauern

Martin Utschneider, Kapitalmarkexperte RoboMarkets

Seit mehreren Monaten pendelt der Euro gegenüber dem Greenback in einer relativ breiten Handelsspanne zwischen rund 1,14 USD auf der Unterseite und etwa 1,19 USD auf der Oberseite. Genau diese Bandbreite scheint aktuell auch weiterhin das dominante charttechnische Bild vorzugeben. Zwar gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Erholungsansätze des Euro, doch die Dynamik auf der Oberseite hat zuletzt deutlich nachgelassen. Vieles spricht deshalb dafür, dass sich die europäische Gemeinschaftswährung in nächster Zeit eher in Richtung der unteren Begrenzung (1,14 USD) dieser Seitwärtsrange orientieren dürfte.

Vor allem aus markttechnischer Sicht hat sich das Bild seit Mitte Mai spürbar eingetrübt. Mehrere Trendfolgeindikatoren, die zuvor noch eine gewisse Stabilisierung signalisiert hatten, verlieren zunehmend an Kraft. Das Momentum hat sich merklich abgeschwächt und deutet darauf hin, dass die Aufwärtsdynamik im Euro nachlässt. Gleichzeitig zeigen auch RSI und MACD erste Ermüdungserscheinungen. Während der RSI zuletzt keine neuen positiven Impulse mehr liefern konnte, verliert auch der MACD zunehmend an Trendstärke. Damit mehren sich die Hinweise, dass die Gemeinschaftswährung vorerst Schwierigkeiten haben dürfte, nochmals nachhaltig in Richtung der oberen Widerstandszone bei 1,19 USD vorzudringen.

Hinzu kommt, dass der US-Dollar trotz zwischenzeitlicher Schwächephasen weiterhin von mehreren fundamentalen Faktoren unterstützt wird. Die amerikanische Wirtschaft präsentiert sich insgesamt robuster als viele europäische Volkswirtschaften. Gleichzeitig bleibt die Zinspolitik der US-Notenbank ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Dollar. Selbst wenn die Federal Reserve im weiteren Jahresverlauf vorsichtiger agieren sollte, bleibt das US-Zinsniveau im historischen Vergleich attraktiv. Dadurch fließt weiterhin Kapital in den Dollarraum, was den Euro zusätzlich belastet.

Auch die wirtschaftliche Lage innerhalb der Eurozone sorgt derzeit nicht unbedingt für Rückenwind. Die konjunkturelle Entwicklung in mehreren großen Mitgliedsstaaten bleibt verhalten. Hohe strukturelle Belastungen, eine schwächere Industrieproduktion sowie geopolitische Unsicherheiten bremsen die Wachstumsdynamik. Gleichzeitig bleibt die Europäische Zentralbank in einer schwierigen Position zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstabilisierung. Diese Gemengelage verhindert aktuell eine nachhaltige Stärke des Euro.

Charttechnisch betrachtet bleibt vor allem die Zone um 1,14 USD von zentraler Bedeutung. Sie stellt die entscheidende Unterstützung innerhalb der seit Monaten bestehenden Seitwärtsrange dar. Sollte der Euro diese Marke erneut testen, dürfte sich dort zunächst wieder verstärkt Kaufinteresse zeigen. Ein nachhaltiger Bruch unter diese Zone wäre allerdings ein deutliches Warnsignal und könnte eine neue mittelfristige Abwärtsbewegung einleiten. Noch ist dieses Szenario zwar nicht das wahrscheinlichste, doch die Risiken auf der Unterseite haben zuletzt klar zugenommen.

Auf der Oberseite bleibt hingegen der Bereich um 1,19 USD der entscheidende Widerstand. Erst wenn diese Zone nachhaltig überwunden werden könnte, würde sich das technische Bild wieder deutlicher aufhellen. Danach sieht es aktuell allerdings nicht aus. Vielmehr spricht die Kombination aus schwächer werdenden Trendfolgeindikatoren, nachlassender Aufwärtsdynamik und einem weiterhin vergleichsweise stabilen US-Dollar dafür, dass der Euro in den kommenden Wochen eher defensiv tendieren dürfte.

Summa summarum bleibt das große Bild beim Währungspaar EUR/USD vorerst von einer breiten Seitwärtsbewegung geprägt. Innerhalb dieser Range verschiebt sich das Kräfteverhältnis derzeit jedoch zunehmend zugunsten des US-Dollars. Aus heutiger Sicht erscheint deshalb ein erneuter Test der unteren Begrenzung bei 1,14 USD wahrscheinlicher als ein Anstieg zurück in Richtung 1,19 USD. Entscheidend wird nun sein, ob sich die markttechnischen Indikatoren wieder stabilisieren können oder ob sich die aktuelle Abschwächung weiter fortsetzt.

Martin Utschneider war viele Jahre für diverse Privatbanken tätig (u.a. „Donner & Reuschel“ und die „Alpen Privatbank“). Zudem ist er für diverse zertifizierte Weiterbildungsakademien und Hochschulen als Fachdozent und Prüfer aktiv. Seine Analysen finden im deutschsprachigen Raum (D, A, CH, FL, LUX) sehr große Beachtung. Er ist regelmäßig bei ARD, N-TV, Welt (vormals n24) sowie DerAktionärTV und Wallstreet:Online TV Interviewgast und zählt zu den meistzitierten Experten seines Fachgebietes (u.a. Handelsblatt, Manager Magazin, Börsenzeitung, FAZ, SZ, Focus, Börse Online, Der Aktionär, Börse Online). Seit Juli 2025 ist er als Kapitalmarktexperte für RoboMarkets Deutschland tätig.

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