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White Label Fonds: In Liechtenstein mehr als nur eine Nische

Fachartikel von David Gamper, Geschäftsführer LAFV Liechtensteinischer Anlagefondverband, Vaduz.

In den meisten Fondsdomizilen spielen White Label Fonds nur eine Nebenrolle. Ganz anders präsentiert sich die Situation in Liechtenstein.

Kein anderes Land mit Zugang zum europäischen Binnenmarkt über das sogenannte Passporting ist so stark auf White Label Fonds spezialisiert wie das Fürstentum. Diese machen rund 85 % aller in Liechtenstein verwalteten Fonds aus – mit steigender Tendenz. Zwar fehlt es auf europäischer Ebene an einer flächendeckenden Statistik zur Anzahl von Neugründungen, doch unter den verfügbaren Vergleichsländern nimmt Liechtenstein eine Spitzenposition ein.

Einzigartige Rahmenbedingungen für White Label Fonds
Das bemerkenswerte Wachstum des Fondsstandorts Liechtenstein beruht auf mehreren Faktoren. Während in vielen Ländern die Aufmerksamkeit auf grosse Fondsgesellschaften fokussiert ist, hat Liechtenstein gezielt die Nische der White Label Fonds besetzt und dafür optimale Voraussetzungen geschaffen. Besonders kurze Zulassungsfristen und eine entsprechend reduzierte Time-to-Market sind dabei entscheidend – denn Verzögerungen kosten Fondsinitiatoren nicht nur Geld, sondern können auch das zur Verfügung gestellte Seed Capital gefährden. Die Kapitalgeber wollen nicht „ewig“ warten und dabei die Gelder womöglich ohne Rendite brach liegen lassen.

Die kurzen Zulassungsfristen sind sogar gesetzlich verankert und betragen für OGAW und AIF maximal 10 bzw. 20 Arbeitstage. Dennoch legt die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein grossen Wert auf eine gründliche Prüfung. Die FMA zeigt sich offen für vorbereitende Gespräche mit Fondspromotoren und Fonds-Verwaltungsgesellschaften, was sich insbesondere bei komplexeren Fondsprojekten für alle Seiten als vorteilhaft erweist.

Auch bei laufenden regulatorischen Anliegen punktet die FMA mit kurzen Reaktionszeiten, was den administrativen Aufwand erheblich reduziert – ein klarer Vorteil für Fonds-Verwaltungsgesellschaften wie auch für Asset Manager.

Als EWR-Mitglied übernimmt Liechtenstein die EU-Fondsregulierung vollständig – ist sogar dazu verpflichtet – verzichtet aber im Gegensatz zu vielen anderen Fondsdomizilen bewusst auf sogenanntes „Goldplating“, also zusätzliche nationale Verschärfungen. Damit wird der bürokratische Aufwand nicht unnötig noch mehr erhöht. Im Gegenteil, Liechtenstein hat bewusst die Spielräume der AIFM Richtlinie genutzt, um noch bessere Rahmenbedingungen für Alternative Investmentfonds zu schaffen. Hinzu kommt ein weiterer Standortvorteil: Liechtenstein erhebt auf Fonds keinerlei Steuern.

Die Kombination dieser Vorteile macht Liechtenstein zu einem sehr attraktiven Fondsdomizil – auch für White Label Fonds Anbieter aus etablierten Standorten wie zum Beispiel Luxemburg. Denn über das Passporting können Fonds nicht nur EU-weit vertrieben, sondern auch grenzüberschreitend gegründet und verwaltet werden. Wie ein führender europäischer Marktteilnehmer kürzlich formulierte: „Am Fondsdomizil Liechtenstein führt kein Weg mehr vorbei.“

David Gamper, ist seit 2014 Geschäftsführer des LAFV, der Interessensvertretung der liechtensteinischen Fondsindustrie, und seit 2020 Mitglied des Stiftungsrates der Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungs-Stiftung SV Liechtenstein. Vor seiner Tätigkeit beim LAFV arbeitete er als Vermögensberater und -verwalter und später in Führungspositionen in Österreich, Italien und Liechtenstein.

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