Meinung
Ausblick 2026: Drei Fondsboutiquen, drei Meinungen
Wohin geht die Reise an den Kapitalmärkten im kommenden Jahr? Mit Marc Profitlich (ProfitlichSchmidlin AG), Christoph Grote (Lingohr Asset Management) und dem Team Oberbanscheidt & Cie. geben drei Fondsboutiquen ihre aktuelle Prognose ab.

Marc Profitlich, ProfitlichSchmidlin AG
Historisch günstige Bewertungsmultiplikatoren in defensiven Segmenten
Die Nachrichten der letzten Wochen könnten in vielerlei Hinsicht die Weichen für das Jahr 2026 gestellt haben: (1) Die USA und China haben ihren Handelsstreit zumindest bis Ende 2026 beigelegt, (2) der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten beginnt, die Befugnisse von Präsident Trump zunehmend einzugrenzen, und (3) die US-Notenbank hat seit September bereits zwei Zinssenkungen vorgenommen – ganz im Sinne der Forderungen des Präsidenten.
An den Kapitalmärkten war die Entwicklung im Jahr 2025 vor allem von zyklischen, offensiven Sektoren geprägt – insbesondere Technologie, Gold, Rüstung und in Europa auch Banken. Interessanterweise blieben hingegen qualitativ hochwertige, defensive Branchen wie Konsumgüter- und Getränkehersteller sowie Life-Science- und Pharmawerte deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück, obwohl viele dieser Unternehmen starke Fundamentaldaten vorgelegt haben.
Gerade in diesen defensiven Segmenten sehen wir derzeit historisch günstige Bewertungsmultiplikatoren. Vieles spricht aus unserer Sicht dafür, dass es im Jahr 2026 zu einer Normalisierung dieser sektoralen Divergenz kommen könnte. Diese Einschätzung spiegelt sich in der Positionierung des ProfitlichSchmidlin Fonds wider.
Weitere Informationen zur ProfitlichSchmidlin AG und dem ProfitlichSchmidlin Fonds UI

Christoph Grote, Lingohr AM
Globaler Mittelstand: Historisch günstiger Einstieg in Small Caps
Der Jahresauftakt eröffnet aus unserer Sicht ein bemerkenswert günstiges Umfeld für globale Small Caps. Gerade außerhalb der USA notieren derzeit viele spannende Unternehmen auf historisch niedrigen Bewertungsniveaus, obwohl ihre erwarteten Gewinnzuwächse klar über denen großer Konzerne liegen – ein Spannungsfeld, das typischerweise Aufholbewegungen begünstigt. Gleichzeitig kommt insbesondere in Europa die M&A-Aktivität zurück und schafft zusätzliche Impulse für den internationalen Mittelstand. Mit der schrittweisen Abkehr von den „Magnificent Seven“ rücken wieder breitere Geschäftsmodelle in den Fokus der Anleger. Mögliche Zinssenkungen spielen kleineren und mittelgroßen Firmen zusätzlich in die Karten. Vor diesem Hintergrund bietet sich die Chance, selektiv in jene Geschäftsmodelle vorzudringen, die operativ gut aufgestellt sind und vom Normalisierungspfad der Märkte profitieren können – eine Konstellation, die wir zum Jahresstart 2026 als besonders vielversprechend einschätzen.

Team Oberbanscheidt (v.l: M. Jansen, A. Koppers, C.Köpp)
2026 ist Jahr der Selektivität und des Risikomanagements: Qualität in Aktien und Anleihen geht vor Spekulation
Anleihen: Der Zinshöhepunkt liegt hinter uns. Wann und wie schnell die Zentralbanken die Zinsen jedoch weiter senken werden, bleibt der Schlüsselfaktor für die Märkte.
Aktien: Sinkende Zinsen dürften den Aktienmärkten helfen, das bereits erklommene Rekordniveau zu halten und sogar leicht auszubauen. Gleichwohl bleibt die Gefahr einer KI-Blase bestehen. Qualitätsaktien aus Europa sind daher weiterhin erste Wahl bei der Titelauswahl.
Währungen: Der US-Dollar bleibt schwach, bricht aber nicht ein. Konjunktursorgen in Europa bremsen einen stärkeren Euro.
Edelmetalle: Die Hausse an den Edelmetallmärkten dürfte sich, getrieben von der Sorge um solide Staatsfinanzierungen fortsetzen.
Die größten Risiken bestehen unverändert bei geopolitischen Spannungen und einer steigenden Inflation, die insbesondere von der Zollpolitik beeinflusst werden könnte.
Weitere Informationen zu Oberbanscheidt & Cie. und den Oberbanscheidt Global Flexibel UI
