AGATHONs Investment Zyklus
Weitreichende Auswirkungen der US-Zölle

Erich Schilcher, Geschäftsführer AGATHON CAPITAL & AGATHON CAPITAL SCHWEIZ. Mehr Informationen gibt es hier.
Warum führen die US-Zölle die USA in die Stagflation, den Dollar in die Abwertung und die Welt in die Rezession?
In den letzten Wochen haben sich die amerikanischen Wirtschaftsdaten und die Inflationserwartungen der amerikanischen Bürger weiter eingetrübt. Die brachialen Methoden von Trump und Co. führen zu Entlassungen in den Bereichen der amerikanischen Volkswirtschaft, die 25 % zum BIP beisteuern, Unsicherheiten in der Bevölkerung und zur Verprellung jahrzehntelanger Handelspartner.
Die Unsicherheit bei den Konsumenten wächst. Und was machen Menschen bei Unsicherheit mit ihrem Geld? Sie horten es und konsumieren nicht. Das wird bei einer Wirtschaft, deren BIP zu 70 % vom geldpolitisch aufgeblasenem inländischen Konsum abhängt, zu Schwierigkeiten führen. Trump versteht nicht, dass sich seine Politik als eine extreme Belastung auf den amerikanischen Konsumenten auswirkt und die Einnahmen aus den Zöllen nicht zu einer großen - wie von ihm gewünschten - steuerlichen Entlastung führen.
Die Zölle werden zu einer Störung des internationalen Handels und der globalen Lieferketten führen. In den einzelnen Volkswirtschaften werden diese Störungen zu einem langen konjunkturellen Abschwung und einer hohen Arbeitslosigkeit führen.
Beim Dollar erwarten wir 2025 eine starke Abwertung und eine schleichende Abkehr vom Status einer Reservewährung. Die ersten Anzeichen dafür sehen wir in dem starken Anstieg des Goldpreises, welcher auf einen Tausch der Notenbanken von Dollar in Gold zurückzuführen ist. Private Investoren in den USA halten aktuell nur 0,2 % Gold in ihren Beständen und sind sogar eher auf der Verkaufsseite. Käufer sind die Notenbanken und große institutionelle Kunden, die den Dollar gegen Gold tauschen.
Aber was macht eigentlich eine starke Währung und den Nimbus einer Reservewährung aus? Es ist die Produktivität der Wirtschaft und deren Menschen. Nehmen wir als Beispiel Deutschland und Japan nach dem zweiten Weltkrieg. Beide Länder waren zerstört und konnten ihre Industrien mit dem neuesten Stand der Technik wieder aufbauen. Dies führte - anders als in England, das weiterhin mit seinen alten Fabriken produzierte - zu einem goldenen Zeitalter, zu wirtschaftlichem Wohlstand und einer starken nationalen Währung. Es waren die Menschen und die Produktivität, die den Erfolg ausmachten. Dieser produktive Trend schwächt sich aber seit etwa 10 Jahren immer mehr ab und kehrt sich ins Gegenteil um. Innovationen sowie neue Investitionen fehlen und so verliert auch die Bevölkerung ihre Produktivität. Diesen Verfall der Produktivität sehen wir aktuell auch in den USA. Die Welt beginnt sich zu fragen, warum man von solch einem Land die Währung als Reservewährung halten soll.
All diese Faktoren sind somit der Grund, warum ein Umdenken in China und anderen Zentralbanken stattgefunden hat. China und der Rest der Welt werden sich überlegen, ob sie bei der protektionistischen Politik von Trump weiter US-Staatsanleihen kaufen und den Dollar als Devisenreserve halten werden. Oder, ob sie nicht eher ihre Dollarbestände in Anbetracht einer steigenden US-Inflation und damit Verlusten in den Anleihen lieber früher als später verkaufen sollen, um weiter in Gold zu investieren, das überall auf der Welt als Zahlungsmittel anerkannt ist.
Die Welt fängt an zu verstehen, dass Trump die amerikanische Wirtschaft nicht wieder groß machen wird, weil er durch seine Wirtschaftspolitik und die Zölle genau das Gegenteil erreichen wird. Das Problem ist einfach: Amerika ist und bleibt nicht wettbewerbsfähig und innovativ genug. Trump wird diese Tatsache mit seiner Politik weiter verschlimmern und die US-Wirtschaft wird weiter schrumpfen.
Die Exportländer werden sich andere Absatzmärkte erschließen. Die chinesischen Exporte in die USA machen aktuell nur noch 2,8 % am chinesischem BIP aus. Auch andere Nationen werden den Handel mit Amerika einschränken und dadurch auch weniger Dollar brauchen.
Aber das größte Problem bleibt weiterhin die hohe Staatsverschuldung und die immer weiter steigenden Nettozinsen in den USA. Die US-Zinsen werden durch all den Protektionismus weiter steigen, die Anleihenkurse werden weiter fallen und die daraus entstehenden Verluste werden die Investoren letztendlich zu immer weiteren Verkäufen zwingen.
Die FED wird bei alledem machtlos sein, weil sie gegen eine Stagflation kein Mittel hat. Sie wird die Zinsen erhöhen müssen, um den Anleihemarkt zu stabilisieren und um die Banken, deren Stresstests nicht auf eine Stagflation ausgerichtet sind, zu retten.
Wenn all diese Faktoren aufgrund der sich immer weiter eintrübenden Konjunkturdaten spätestens ab dem zweiten Quartal 2025 anfangen zu wirken, werden sich die Zustimmungswerte für die Trump-Show ins Gegenteil umkehren. Anfang 2026 wird er der unbeliebteste Präsident der USA sein. Die konjunkturelle Entwicklung ist und bleibt der wichtigste Faktor für die Zustimmung für einen amerikanischen Präsidenten. Trump wird schnell an Beliebtheit verlieren, wenn die USA in eine zweite Inflationswelle eintreten.