Die Marktanalyse by MMD
Streuung über Köpfe, Stile & Assets - Teil II
Fachartikel von Nicolai Bräutigam, MMD Analyse & Advisory GmbH
Wir hatten in der letzten Ausgabe darauf verwiesen, welche Merkmale in der akademischen Forschung erörtert werden, mit deren Hilfe man Asset Manager identifizieren kann, die eine Outperformance generieren können. Neben offensichtlichen Merkmalen wie der vergangenen Performance und den Kosten liefern u.a. auch die Führung des Unternehmens, ob der Manager selbst investiert ist, wie gut das Netzwerk des Fondsmanagers ist und auch die Diversität des Teams Hinweise auf eine höhere Wahrscheinlichkeit der Outperformance.
Da auch gute Asset Manager Phasen der Underperformance durchschreiten müssen, empfehlen wir die Streuung des liquiden Vermögens über mehrere Asset Manager, damit eine mögliche Underperformance eines Managers von den weiteren Managern aufgefangen wird. Denn wir alle kennen die Gewinn-Verlust-Asymmetrie: Wenn man 50% verliert, benötigt man 100% Performance, um wieder den Ausgangspunkt zu erreichen. Darüber hinaus ist die psychologische Komponente bei Verlusten - v.a. bei risikoaversen Investoren – zu beachten. Es geht darum, dass Kunden Verlustphasen durchhalten und investiert bleiben, um langfristig eine solide Performance zu erzielen. Es nützt nichts, 200% Rendite in einem Fonds zu generieren, wenn die Anleger bei einem zwischenzeitigen Drawdown von -60% am Tiefpunkt aussteigen.
Daher widmen wir uns nachfolgend der Vorgehensweise, wie man ein Multi-Manager-Depot zusammenstellen kann:
Zuallererst ist es wichtig, den gesamten zur Verfügung stehenden Markt zu erfassen und zu kategorisieren. Wir haben hierfür in den letzten Jahren eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, die alle am deutschen Markt zugelassenen aktiv gemanagten Produkte beinhaltet. Aus dem gesamten Fondsuniversum von mehr als 10.000 Fonds filtern wir diejenigen Produkte heraus, die den Kriterien „vermögensverwaltend“ entsprechen.
Dazu werden alle gängigen Fondsstammdaten erfasst, die wir mit weiteren Daten ergänzen und die Fonds nach ihrer jeweiligen Anlagestrategie in verschiedene Kategorien sortieren. Sodann berechnen wir alle Kennzahlen selbst und einheitlich, sodass mithilfe quantitativer Analysen alle Produkte untersucht werden können.
Basierend auf der Kategorisierung werden die VV-Fonds permanent quantitativ bewertet. Als Vergleichsmaßstab wird der selbst entwickelte MMD-Index verwendet. Dieser setzt sich aus den Fonds der jeweiligen Kategorie zusammen, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, ein Mindestalter von drei Jahren und ein Volumen von über zehn Millionen Euro aufweisen. Die tägliche Berechnung der MMD-Indizes erlaubt einen prägnanten Überblick über die Performanceentwicklungen der im MMD-Fondsuniversum vertretenen Fonds.
Zur detaillierten Bewertung werden die Fonds zudem monatlich mithilfe des MMD-Rankings gescreent. Das MMD-Ranking berücksichtigt Ertrags- sowie Risikokomponenten. Auf der Ertragsseite wird die Rendite, die Outperformance-Ratio sowie die Beta-Verteilung berücksichtigt. Auf der Risikoseite werden die Kennzahlen Volatilität, max. Draw-Down und die Underwater-Period verwendet. Auf Grundlage dieser Kennzahlen werden die VV-Fonds innerhalb ihrer Kategorie bewertet. Die Klassifizierung erfolgt mittels Sternen.
Dieser quantitative Selektionsprozess erlaubt es, die VV-Fonds mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen zu filtern und für den weiteren Prozess auszuschließen. Die verbleibenden VV-Fonds werden auf ihre Eignung zum Einsatz in Portfolios überprüft. Dazu werden neben weiteren quantitativen Analysen - etwa einer Marktphasenanalyse - die Konditionengestaltung geprüft sowie Asset-Manager und Investmentstil analysiert. Unterjährige Gespräche, regelmäßige Sichtung von aktuellen Unterlagen und Statements sowie der Besuch von Konferenzen ergänzen die quantitativen Analysen.
Mithilfe von Korrelationsanalysen und dem Beta-Verhalten der Zielfonds wird versucht, ein für alle Marktphasen optimiertes Portfolio zusammenzustellen. Die unterjährig geführten Gespräche mit Asset-Managern bilden dabei ebenso eine Entscheidungsgrundlage wie die möglichst unterschiedlichen Herangehensweisen in der Asset-Allokation und im Investmentprozess. Die Kombination der VV-Fonds erfolgt nach der Diversifikation über „Köpfe, Stile & Assets“. Diese reduziert das Risiko und verstetigt den Anlageerfolg. Ziel der Diversifikation ist es, unterschiedliche Investmentstile, die ihre Outperformance zu unterschiedlichen Zeitpunkten abrufen, zu kombinieren. Daraus folgt, dass es innerhalb der Portfolio-Kombinationen immer ein Produkt geben wird, dass nur unterdurchschnittlich performt. Die Streuung über verschiedene VV-Fonds sollte nicht dazu führen, Produkte im Portfolio zu halten, die hoch korreliert in verschiedenen Marktphasen ähnliche Ergebnisse liefern.
Die selektierten VV-Fonds bzw. Fondsmanager werden kontinuierlich überprüft und erforderlichenfalls ausgetauscht. Dies kann sich ergeben, wenn die VV-Fonds nicht die erwarteten Ergebnisse liefern oder Änderungen im Investmentprozess vollzogen werden. Die stetigen Analysen sorgen zudem für ein kontinuierliches Screening des Fondsuniversums und ggf. möglicher neuer Zielfondskandidaten.

Nicolai Bräutigam, Geschäftsführer bei der MMD Analyse & Advisory GmbH, verfügt über 14 Jahre Erfahrung im Bereich Fondsresearch und Fondsauswahl. Als Research- und Beratungshaus hat sich die MMD Analyse & Advisory GmbH auf aktiv gemanagte Investmentlösungen spezialisiert. Das Unternehmen hat seinen Ursprung im Portfolio Controlling & Reporting der Erdmann Family Office GmbH, die bereits seit vielen Jahren die Leistungen der mandatierten Vermögensverwalter überwacht, analysiert und transparent reportet. Mit der vermehrten Auflage von aktiv gemanagten Fonds im Zuge der Abgeltungssteuer entstand 2009 die MMD Analyse & Advisory GmbH, die seitdem ein umfassendes Leistungsspektrum für Vermögensverwaltende Produkte aufgebaut hat. Die Tochtergesellschaft AssetStandard betreibt unter www.assetstandard.com ein Informations- und Vergleichsportal für Vermögensverwaltende Produkte.


