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Petra Ahrens: "Der entscheidende Vorteil der unabhängigen Vermögensverwaltungen ist, dass sie kein Standard-Produktanbieter sind."

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Seit über 25 Jahren prägt Petra Ahrens die Finanzlandschaft und vereint heute Expertise aus der Praxis und Verbandsarbeit auf höchstem Niveau. Als Vorständin der MAIESTAS Vermögensmanagement AG und des VuV gestaltet sie nicht nur individuelle Kundenportfolios, sondern treibt auch die Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Marketing sowie Frauen und Finanzen maßgeblich voran. Im heutigen Interview mit dem FundSpotter blickt sie auf ihre aktuellen Themen sowie die Herausforderungen der Branche.

FundSpotter: Frau Ahrens, Sie bekleiden aktuell verschiedene Positionen – über den Vorstand bei MAIESTAS bis hin zur Verbandsarbeit im VuV. Wie unterscheiden sich diese Aufgaben im Alltag voneinander und wo nutzen Sie Synergien?
Petra Ahrens: Als Inhaberin und Vorständin der MAIESTAS AG führe ich mein eigenes Unternehmen und bin mit meinen Vorstandskollegen sowohl für Wachstum, Profitabilität und natürlich unsere Mitarbeiter verantwortlich. Als unabhängiger Vermögensverwalter ist die MAIESTAS AG selbstverständlich auch Mitglied des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV). Es gibt zahlreiche Überschneidungspunkte. Themen wie Regulatorik, Technologie, KI, Generationenwechsel usw. lassen sich somit aus Vermögensverwalter- wie auch Verbandsperspektive sehr gut aufgreifen.

FundSpotter: Wie sind Sie ursprünglich zum VuV gekommen und was war Ihre persönliche Motivation, neben Ihrer beruflichen Tätigkeit auch Verantwortung im Vorstand des Verbandes zu übernehmen?
Ahrens: Nun ich muss gestehen, dass ich bis zu meiner Vorstandsernennung nicht viel mit dem Verband zu tun hatte und auch nicht wirklich wusste, was dort alles für die Mitglieder getan wird. Ich wurde vorgeschlagen, letztendlich auch, um das Vorstandsgremium nach über 20 Jahren mal mit einer Frau zu besetzen. Erst im Laufe meiner Verbandstätigkeit habe ich kennengelernt, was der VuV alles für seine Mitglieder bewältigt. Daher bin ich heute viel motivierter als damals; nicht zuletzt, weil ich an unsere Branche glaube und alles tun möchte, um weiterhin zu unterstützen.

FundSpotter: Die Branche unterstützen ist ein gutes Stichwort - der Markt für Finanzdienstleistungen ist im Umbruch. Warum ist ein starker Verband gerade in der heutigen Zeit – zwischen Regulatorik und Marktkonsolidierung – für unabhängige Vermögensverwalter so überlebenswichtig?
Ahrens: Der VuV hat aktuell 326 Mitgliedsinstitute, dies ist eine konstante Zahl. Diese Unternehmen verwalten ein Vermögen von rund 350 Milliarden Euro – ein Marktanteil am bundesweiten Wertpapiervermögen von über 11 %. Daher ist es für mich weiterhin wichtig, das Wachstum unserer Branche zu fördern und gemeinsam mit meinen Kollegen auf die zukünftigen Herausforderungen vorzubereiten.

FundSpotter: Wenn Sie auf die Vielzahl der Mitglieder des VuV blicken: Welches sind aktuell die größten Herausforderungen, mit denen unabhängige Vermögensverwalter konfrontiert sind?
Ahrens: Da sehe ich primär zwei Themen, die uns alle beschäftigen. Zum einen ist dies sicherlich die Regulatorik, mit der unsere Branche täglich belastet ist und uns oftmals im Ausüben unserer tatsächlichen Tätigkeit hindert. Zum anderen ist das der Generationenwechsel. Die Geschäftsführungen der Vermögensverwalter erreichen vielfach ein Alter, wo wir nach Nachfolgeregelungen Ausschau halten sollten. Der VuV hat sich daher des Themas NextGen angenommen.

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FundSpotter: Im Zuge der Veränderungen in der Branche, beobachten wir, dass immer mehr Verwalter ihre Strategien in Fondsmäntel gießen und damit einen neuen Schwerpunkt setzen. Wie bewerten Sie die Zukunftschancen dieser spezialisierten Fondsboutiquen gegenüber den großen Standard-Produktanbietern?
Ahrens: Dies ist sicherlich auch eine Maßnahme, die in dem seit Jahren überbordenden Regulatorikwahn geboren ist. Nichtsdestotrotz sehe ich weiterhin einen hybriden Ansatz zwischen eigenen Fondsstrategien und der individuellen Vermögensverwaltung durch Einzelwerte. Der entscheidende Vorteil der unabhängigen Vermögensverwaltungen ist doch, dass wir keine Standard-Produktanbieter sind. Wir überzeugen durch Unabhängigkeit und Persönlichkeit, daher sehe ich unsere Zukunft als gesichert an.

FundSpotter: Eines weiteres Fokusthemen von Ihnen sind „Frauen und Finanzen“ – welche Inhalte stehen bei Ihrer Arbeit dort im Mittelpunkt? 
Ahrens: Laut Branchenstudien kontrollieren Frauen bereits etwa ein Drittel des weltweiten Privatvermögens – rund 60 Billionen US-Dollar. Bis 2030 wird dieser Anteil voraussichtlich auf 45 Prozent steigen. In Deutschland besitzen Frauen derzeit durchschnittlich 38 Prozent des Gesamtvermögens, und dieses wächst mit einer Rate von 8,1 Prozent deutlich schneller als das der Männer (nur 2,7 Prozent).

Es wäre daher sehr nachlässig, sich nicht mehr mit dieser Klientel auseinanderzusetzen.

Die Gewährleistung eines besseren Zugangs beginnt bei der Erziehung und der Bildung. Wir können alle daran arbeiten, das Thema Finanzen interessant zu machen; weniger negativ, spekulativ und reißerisch. Kein Fachchinesisch, sondern klar und verständnisvoll. Ich erlebe es selbst in meinen Gesprächen, dass Frauen sich sehr wohl für Finanzen interessierten und damit auseinandersetzen wollen.

Der VuV hat vor drei Jahren die „Finanzfrauen im Dialog“ Konferenz ins Leben gerufen, wo sich Frauen aus der Vermögensverwalterbranche treffen. Dieser Tag zeigt sehr eindeutig, wie angenehm locker, wissenshungrig und unterstützend Frauen miteinander umgehen.

FundSpotter: Unterscheidet sich denn die Herangehensweise bei der Geldanlage sowie die Risikoprofile und das Fachwissen tatsächlich grundlegend von denen der Männer, oder ist das ein Klischee?

Ahrens: Ich bin der Meinung, dass es keine anderen Finanzprodukte für Frauen geben muss. Auch die Risikoprofile unterscheiden sich bei den Frauen genauso, wie bei Männern. Frauen sind nicht grundsätzlich risikoscheu; sie wollen verstehen, worin sie investieren und haben dann oftmals die ruhigere Hand. Und auch im Fachwissen holen wir seit Jahren auf. Das Internet und Social Media tragen enorm dazu bei, dass sich Frauen immer mehr mit ihren Finanzen auseinandersetzen und Beratung suchen.

FundSpotter: Ein guter Übergang zum Thema Digitalisierung, ein Bereich, den Sie u. a. in Ihrer Rolle beim VuV verantworten. Wie gut ist die Branche hier Ihrer Meinung nach bereits aufgestellt?
Ahrens: Das Thema Digitalisierung ist so umfangreich, dass der gesamte Vorstand dafür zuständig ist. Wie so oft im Leben, ist Veränderung schwierig. Die Digitalisierung ist Fluch und Segen zugleich, jedoch kommen wir nicht an ihr vorbei. Daher sollten wir die Herausforderungen annehmen und die Technik nutzen, um uns Organisation, Administration, Regulatorik etc. zu vereinfachen um mehr Kapazitäten für unsere eigentliche Arbeit – die persönliche Beratung unserer Kunden – zu schaffen.

FundSpotter: Inwieweit nutzen Sie bei MAIESTAS bereits Künstliche Intelligenz oder automatisierte Analyse-Tools – in der Vermögensverwaltung oder um die Kundenkommunikation effizienter zu gestalten und wie sind Ihre Erfahrungen?Ahrens: Wir sind seit Jahren sehr offen für Digitalisierung und KI. Unser „Maschinenraum“ ist fast komplett digital. Ohne unser CRM-System, das Portfoliomanagement und KI-Tools wären wir nicht in der Lage unser Wachstum zu stemmen.

Oftmals sind es auch die Kunden, die nicht ganz digital mithalten können. Daher ist es wichtig, aus beiden Welten das Beste herauszuholen und zu kombinieren.

FundSpotter: Nach über ein Vierteljahrhundert in der Finanzbranche bleibt zum Abschluss noch die Frage, ob es eine  eine besondere Kuriosität aus Ihrer Laufbahn gibt, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Ahrens: Nun, das sind immer wieder die Begegnungen mit Menschen. Hier gibt es so viel Bewegendes und Schönes, das mich jeden Tag aufs Neue für diese Arbeit brennen lässt. Als unabhängige Vermögensverwalter helfen wir jeden Tag Menschen und begleiten sie. Wir übernehmen Verantwortung, was nicht immer einfach ist. Das ist so viel mehr als Arbeit … das ist Profession und Leidenschaft!

Aber wenn Sie eine Antwort auf eine der größten Kuriositäten meiner Laufbahn haben wollen: Donald Trump!

FundSpotter: Wenn wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten: Welches Thema wird die Vermögensverwaltung dann dominieren, dass wir heute vielleicht noch völlig unterschätzen?
Ahrens (lacht): Frauen

Vielen Dank für die vielen interessanten Einblicke und das Gespräch!

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