Persönlichkeiten
Petra Ahrens: "Der entscheidende Vorteil der unabhängigen Vermögensverwaltungen ist, dass sie kein Standard-Produktanbieter sind."
FundSpotter: Die Branche unterstützen ist ein gutes Stichwort - der Markt für Finanzdienstleistungen ist im Umbruch. Warum ist ein starker Verband gerade in der heutigen Zeit – zwischen Regulatorik und Marktkonsolidierung – für unabhängige Vermögensverwalter so überlebenswichtig?
Ahrens: Der VuV hat aktuell 326 Mitgliedsinstitute, dies ist eine konstante Zahl. Diese Unternehmen verwalten ein Vermögen von rund 350 Milliarden Euro – ein Marktanteil am bundesweiten Wertpapiervermögen von über 11 %. Daher ist es für mich weiterhin wichtig, das Wachstum unserer Branche zu fördern und gemeinsam mit meinen Kollegen auf die zukünftigen Herausforderungen vorzubereiten.
FundSpotter: Wenn Sie auf die Vielzahl der Mitglieder des VuV blicken: Welches sind aktuell die größten Herausforderungen, mit denen unabhängige Vermögensverwalter konfrontiert sind?
Ahrens: Da sehe ich primär zwei Themen, die uns alle beschäftigen. Zum einen ist dies sicherlich die Regulatorik, mit der unsere Branche täglich belastet ist und uns oftmals im Ausüben unserer tatsächlichen Tätigkeit hindert. Zum anderen ist das der Generationenwechsel. Die Geschäftsführungen der Vermögensverwalter erreichen vielfach ein Alter, wo wir nach Nachfolgeregelungen Ausschau halten sollten. Der VuV hat sich daher des Themas NextGen angenommen.
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Die Gewährleistung eines besseren Zugangs beginnt bei der Erziehung und der Bildung. Wir können alle daran arbeiten, das Thema Finanzen interessant zu machen; weniger negativ, spekulativ und reißerisch. Kein Fachchinesisch, sondern klar und verständnisvoll. Ich erlebe es selbst in meinen Gesprächen, dass Frauen sich sehr wohl für Finanzen interessierten und damit auseinandersetzen wollen.
Der VuV hat vor drei Jahren die „Finanzfrauen im Dialog“ Konferenz ins Leben gerufen, wo sich Frauen aus der Vermögensverwalterbranche treffen. Dieser Tag zeigt sehr eindeutig, wie angenehm locker, wissenshungrig und unterstützend Frauen miteinander umgehen.
FundSpotter: Unterscheidet sich denn die Herangehensweise bei der Geldanlage sowie die Risikoprofile und das Fachwissen tatsächlich grundlegend von denen der Männer, oder ist das ein Klischee?
Ahrens: Ich bin der Meinung, dass es keine anderen Finanzprodukte für Frauen geben muss. Auch die Risikoprofile unterscheiden sich bei den Frauen genauso, wie bei Männern. Frauen sind nicht grundsätzlich risikoscheu; sie wollen verstehen, worin sie investieren und haben dann oftmals die ruhigere Hand. Und auch im Fachwissen holen wir seit Jahren auf. Das Internet und Social Media tragen enorm dazu bei, dass sich Frauen immer mehr mit ihren Finanzen auseinandersetzen und Beratung suchen.
FundSpotter: Ein guter Übergang zum Thema Digitalisierung, ein Bereich, den Sie u. a. in Ihrer Rolle beim VuV verantworten. Wie gut ist die Branche hier Ihrer Meinung nach bereits aufgestellt?
Ahrens: Das Thema Digitalisierung ist so umfangreich, dass der gesamte Vorstand dafür zuständig ist. Wie so oft im Leben, ist Veränderung schwierig. Die Digitalisierung ist Fluch und Segen zugleich, jedoch kommen wir nicht an ihr vorbei. Daher sollten wir die Herausforderungen annehmen und die Technik nutzen, um uns Organisation, Administration, Regulatorik etc. zu vereinfachen um mehr Kapazitäten für unsere eigentliche Arbeit – die persönliche Beratung unserer Kunden – zu schaffen.
FundSpotter: Inwieweit nutzen Sie bei MAIESTAS bereits Künstliche Intelligenz oder automatisierte Analyse-Tools – in der Vermögensverwaltung oder um die Kundenkommunikation effizienter zu gestalten und wie sind Ihre Erfahrungen?Ahrens: Wir sind seit Jahren sehr offen für Digitalisierung und KI. Unser „Maschinenraum“ ist fast komplett digital. Ohne unser CRM-System, das Portfoliomanagement und KI-Tools wären wir nicht in der Lage unser Wachstum zu stemmen.
Oftmals sind es auch die Kunden, die nicht ganz digital mithalten können. Daher ist es wichtig, aus beiden Welten das Beste herauszuholen und zu kombinieren.
FundSpotter: Nach über ein Vierteljahrhundert in der Finanzbranche bleibt zum Abschluss noch die Frage, ob es eine eine besondere Kuriosität aus Ihrer Laufbahn gibt, die Ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Ahrens: Nun, das sind immer wieder die Begegnungen mit Menschen. Hier gibt es so viel Bewegendes und Schönes, das mich jeden Tag aufs Neue für diese Arbeit brennen lässt. Als unabhängige Vermögensverwalter helfen wir jeden Tag Menschen und begleiten sie. Wir übernehmen Verantwortung, was nicht immer einfach ist. Das ist so viel mehr als Arbeit … das ist Profession und Leidenschaft!
Aber wenn Sie eine Antwort auf eine der größten Kuriositäten meiner Laufbahn haben wollen: Donald Trump!
FundSpotter: Wenn wir uns in fünf Jahren wieder unterhalten: Welches Thema wird die Vermögensverwaltung dann dominieren, dass wir heute vielleicht noch völlig unterschätzen?
Ahrens (lacht): Frauen
Vielen Dank für die vielen interessanten Einblicke und das Gespräch!




