Top-10 Positionen am 31.10.2024
Fokusaktien: Vonovia und ProCredit als doppelte Strategie-Vorlage
Zwei Titel zeigen exemplarisch, wie Kims Philosophie funktioniert: Vonovia SE (ISIN: DE000A1ML7J1) scheint auf den ersten Blick fast zu groß für einen Boutique-Fonds. Doch Kim sieht Potenzial im Detail: Die Aktie notiert nahe am Buchwert (KBV: 0,97), das KGV ist zwar negativ, doch der Konzern generiert stabile Cashflows - und bietet mit einer Dividendenrendite von 4,3 Prozent eine verlässliche Verzinsung. Entscheidend ist für Kim der politische Rückenwind: energetische Sanierungen, Mietzuschüsse, Wohnungsbauprogramme - „ein unterschätzter Hebel der Energiewende“, wie er sagt.
Ganz anders, aber nicht weniger aussichtsreich: die ProCredit Holding AG (ISIN: DE0006223407). Die auf Mittelstandskredite spezialisierte Bank glänzt mit einer 3-Jahres-Rendite von über 158 Prozent, einem KGV von 5,56 und einer Dividendenrendite von 5,96 Prozent. Vor allem aber profitiert das Institut vom starken Wachstum in Südosteuropa - ein geografischer Katalysator, der im Kurs kaum reflektiert ist. „Value mit Aufholpotenzial - genau das suchen wir“, so Kim.
Agilität als Alpha-Faktor
Was für große Publikumsfonds ein Nachteil ist, nutzt Kim als Vorteil: Mit nur 5,5 Millionen Euro Fondsvolumen kann er dort investieren, wo andere gar nicht erst hinschauen.
Beispiel Friedrich Vorwerk Group, Spezialist für Energieinfrastruktur: Die Aktie explodierte innerhalb eines Jahres um 279,2 Prozent - getrieben von Milliardenaufträgen für Strom- und Wasserstoffnetze.
Oder die Lang & Schwarz AG, eine Cash-Maschine aus dem außerbörslichen Handel, die 2025 bereits +78,1 Prozent zulegte - „ein Markt, in dem institutionelle Investoren oft zu spät dran sind“, sagt Kim.
Hier zeigt sich die wahre Stärke von Boutique-Fonds: Agilität, Unabhängigkeit, den Mut zu haben, aus der Reihe zu tanzen.
Risiko und Kosten: Klartext statt Kleingedrucktes
Die Konzentration auf wenige Titel bringt naturgemäß Volatilität mit sich: Die 1-Jahres-Volatilität des Fonds liegt bei 11,92 Prozent - nichts für Zartbesaitete, aber auch kein Ausschlusskriterium für langfristig orientierte Anleger.
Die Kostenstruktur bleibt überschaubar: 1,31 Prozent TER für die institutionelle S-Tranche 1,80 Prozent TER für die Retail-Variante Hinzu kommt eine faire Performance Fee, die nur bei absolut positiver Wertentwicklung anfällt - mit High-Watermark und Cap. Alles transparent, ohne versteckte Kosten.
Fazit: Boutique mit Biss – und Bestand?
Der Qualitas Alta Value Fund ist kein Modefonds à la Rüstung & Co, sondern ein handverlesenes Produkt mit Substanz. Schu-Minn Kim verbindet klassische Value-Prinzipien mit einem analytischen Blick für operative Hebel und einer mutigen Allokation in unterbewertete Nischen. Sein Portfolio ist kein Sammelsurium, sondern eine präzise kuratierte Ansammlung von Ideen - und die Performance gibt ihm recht. „Wer Perlen finden will, muss im Trüben fischen - und manchmal auch gegen den Strom schwimmen“, lautet Kims Credo. Boutique-Fonds wie dieser zeigen: Alpha ist keine Frage der Größe, sondern der Einstellung. Und vielleicht genau das, was Anleger im Jahr 2025 und darüber hinaus mehr denn je brauchen.

Sven, Jahrgang 1969 aus Suhl in Thüringen, beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren intensiv mit Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Als erfahrener Investor setzt er seit vielen Jahren auf aktiv gemanagte Fonds und pflegt enge Kontakte in der Branche. Der regelmäßige Austausch mit renommierten Portfoliomanagern liefert ihm wertvolle Einblicke. Beruflich ist Sven als Fondsanalyst bei der GSR GmbH tätig.

